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Bella_Pollen_The_Daydream_Girl_deutsch                  Bella Pollen: Happyend nicht ausgeschlossen. Originaltitel: Daydream Girl                      

 Bella Pollen: Happyend nicht ausgeschlossen
[B Movie, Blue Love; new title: Daydream Girl]

Die Rechte an meiner Übersetzung sind zwischenzeitlich an mich zurückgefallen bei Interesse an einer Neuverwertung, wenden Sie sich bitte an mich.

Textprobe aus der Übersetzung
3 Aufblende: Dienstagabend

Heute Abend herrscht aus unerfindlichen Gründen fließender Verkehr, am Eingang zum Park werden es immer weniger Fahrzeuge. Die Wagen biegen in die Seitenstraßen der Uxbridge und der Goldhawk Road ab, ein Kaninchenbau von Wohnungen für die Generation der Post-Yuppie-Ära der späten Neunzigerjahre. Ich sause am blauen Wasserturm vorbei auf den Kreisel von Shepherd’s Bush, die Holland Park Avenue entlang, dann biege ich links in den Ladbroke Grove ab.
     Ich halte an einer Parkuhr in der Golborne Road. Vor Gordon’s, einem erst kürzlich eröffneten Schickimicki-Feinlostladen, steht ein Junge mit seinem Hund. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass das Obdachlosenblatt Big Issue, das er zum Verkauf anbietet, kaum weniger schick und auf den Couchtischen dieses Viertels nicht minder angesagt ist als das Lifstylemagazin Wallpaper, was uns, den Bewohnern von Nordkensington mit dem ach so sozialen Gewissen, keineswegs entgeht. Wir sind nicht taub, stumm und blind. Wir sind engagiert – schließlich haben wir ja Blair gewählt.
     Giraffe durch Tiefflieger enthauptet, lautet die Schlagzeile des Evening Standard. Ich kaufe ein neues Time Out am Zeitungsstand, dann erstehe ich bei Gordon’s meinem ausblutenden Konto zum Trotz ein sehr teures Frühstücksbrot mit eingebackenen Feigen, bevor ich in Richtung Nordwesten zur Harrow Road weiterfahre.
     Die Lage der „Axbridge-Villas“ ist voll im Trend: Den Grundstock bilden die miesen, fiesen Mietskasernen, der Rest macht sich erwartungsfroh im Kokaineinzugsgebiet breit. Vor kurzem hat Luke in dieser Straße ein Haus für 600 Pfund die Woche angemietet. Sechshundert Pfund Wochenmiete! Das ist unfassbar, entspricht es doch einer fast tausendprozentigen Mieterhöhung für Luke, der bis dieses Jahr 70 Pfund für sein Zimmer in Earl’s Court löhnen musste – und dabei reden wir hier nicht vom Millionärsviertel. Wir reden nicht von Mayfair, Cheyne Walk, Themseblick; mit Lichterglanz am Horizont wie eine Diamantenkette am Hals des Flusses. Nein, hier geht es um den Mietzins in einer kleinen Straße, immer noch nicht meilenweit weg vom Hotdogs-mit-Zwiebeln-Ausläufer von White City, einen Steinwurf weit von „World of Leather“, nur fünfzehnmal Ampelumspringen von Ikea entfernt. Und viel dichter, als man glauben möchte, liegt sie an der Unterführung der A40, wo die Alkis und die Penner in ihrer Pappkartonhölle hausen.
     Diese Straße ist und bleibt – sehen wir’s ein – eine Scheißchaussee. Von den mickerigen Grasbüscheln, die um die Bäume herumstehen, ist jeder einzelne Halm uringetränkt, und Gott weiß, was in der Wohnung am Ende der Straße abgeht, aber dieser tausendprozentige Aufschlag, der ist gewissermaßen Ehrensache: ein Hauch von Bohème, das ungemein wichtige Etikett „Szenelokal“, das man jetzt jeder beliebigen Kaschemme anklebt, vor allen aber die Nähe zum bunten Treiben von Notting Hill.
     Ich parke den Wagen bei einer gelben Markierung und lehne mich an die Tür von Nummer 27, während ich nach dem richtigen Schlüssel am Ring suche und darüber nachgrübele, wann Luke und ich das letzte Mal einen abend in meiner Wohnung verbracht haben. In der Vor-Axbridge-Ära haben wir uns unsere Behausungen etwa fifty-fifty geteilt. Kapitel eins im Handbuch der Beziehungen: Geben Sie Ihrem Partner genügend Freiraum und respektieren Sie seinen Anfahrtsweg. Wir hatten beide die Schüssel zur anderen Wohnung und obwohl es irritierte, dass man nie die richtigen Klamotten am richtigen Ort hatte, funktionierte es wunderbar. Seit dem Umzug haben wir vermutlich nicht mehr als ein, zwei Nächte in meiner Wohnung verbracht, aber das ist ja nicht weiter verwunderlich. Verglichen mit Lukes neuem dreistöckigen Palast in Paddingtons Praed Street, wo ich einen Kurzzeit-Mietvertrag abgeschlossen habe, als die Immobilienpreise vorübergehend fielen, kaum mehr als ein Loch, selbst an meinen eigenen Ansprüchen gemessen. Nehmen wir beispielsweise den unwahrscheinlich Fall an, meine Wohnung würde die Gelegenheit ergreifen und in Time Out inserieren, dann könnte sie sich gut so beschreiben:

     Mikroskopisch kleine Einzimmerwohnung sucht Mieter mit ausgeprägtem Sinn für            Humor und Interesse an Liebe-Hass-Beziehung zum Vermieter.

Wohingegen Lukes neues Domizil mit seinem weißer als weißem Interieur à la Elle-Deco sich so darstellen könnte:
    
    Luxussanierte alte Glasfabrik sucht aufstrebenden Junggesellen. Biete eingebauten         Satellitenempfang für eine Rekordzahl von Sportkanälen. 

~

Und als Zugabe ein paar Wortspiele, unübersetzbar, aber doch lokalisierbar: Kit, die Protagonistin, erblickt eine Einkaufsliste aus Magnetbuchstaben an der Kühlschranktür:

Mud nuts
Sour bread
Kenco
Yeast
Ham 

Sie bastelt daraus  MAD BREAST SMEARS HONEY ON DRUNK und behält einen Buchstaben übrig. (Eigentlich komisch, woher kommen denn auf einmal die ganzen Großbuchstaben? Doch so steht es da, und dann müssen wir es wohl glauben.)

Schön, ich habe also eine neue Liste gebastelt, die sich gut verschieben lässt - und bei mir bleiben dann mehrere Buchstaben übrig:

Nüsse
Brot
Kaffee
Schinken
Mehl
Mundwasser          Nasser Affe küsst Schenkel wund.

Ehrlich gesagt kann ich mir den nassen Affen viel
eher vorstellen. Und nicht ganz so unangenehm wie die klebrige Variante im Original. Nicht die einzige abgefahrene Idee in diesem Buch. Verschiedene Körperteile scheinen in der Phantasie der Heldin ein Eigenleben zu führen.

Die Parodie auf Fifty Ways to Leave Your Lover stellt keine besondere Herausforderung dar. Der Name des Besungenen - Luke - reimt sich auf genügend Uhk-Wörter:

It's because you smelt the puke, Luke.          
                           Give her the nuke, Luke.
                           Don't behave like a Duke, Luke.
                           Just set yourself free.  

                           Bist wohl nicht klug, Luke?
                           Genug ist genug, Luke ...
                           Vorbei ist der Spuk, Luke ...
                           Mach dich nur aus dem Staub.

Das nennt man Glück! An einem Humphrey, Lancelot oder Frederick hätte ich ungleich länger zu knacken gehabt. Und um das unappetitliche puke konnte ich mich wieder herummogeln.
  




Design + Text: Christiane Bergfeld, Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte Aktualisierung: 24. September 2009
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