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Stimme
des Berges 1
Von dort, wo ich sitze, auf der hohen Plattform, Kann ich die Lichter der Fähre Kreuz und quer über Den großen Fluss huschen sehen. Ich kenne die Städte, die Flussmündung. Dort, hinter dem letzten Uferböschung, Wo die Farbe aus dem Himmel rinnt, Kann ich die Kapitel der Welt skizzieren. Neulich kam ein junger Mann aus dem Dorf. Weil er nicht sprechen konnte, Brachte er ein Geschenk, Fisch aus dem Land der Flüsse. Anscheinend wiederholen sich solche Handlungen: Wir wohnen in ewig alten und neuen Gebieten, Und da wir in wechselnden Sprachen sprechen, Lasse auch ich meinen Speer am Baum Und versuche, ein Zeichen zu machen.
Ich bin ein alter Mann
Nippe an der Brise, der immer jungen. In meinem Leben habe ich viele Leben gelebt. Meine Stimme besteht aus Meerwellen und Berggipfeln, Ins Symbolische übertragen Bin ich die zufällige Silbe, Bewandert in Geschichte und Wundern, Die der Welt Befehle erteilt.
Ich bin die Wüste und der Regen.
Der wilde Vogel, der im Westen sitzt. Die Vergangenheit, die sich neu erschafft Und Teilchen des Lebens, die sich festklammern Über Jahrtausende – Ich weiß, ich weiß diese Dinge Wie Steine, die in der Sonne Umarmung brennen, Von Wolken und plötzlichem Regen wissen; Wie ich weiß, dass eine Wolke, eine Wolke, eine Wolke ist, Eine Wolke ist der unsichere Puls, der über meinem Herzen sitzt.
Stimme des
Berges 2
Am Ende birgt das Universum nichts Außer einem Traum von Beständigkeit. Frieden ist ein Irrtum. Ein Augenblick der Ruhe folgt auf einen langen Kampf: Aus dem Osten Kehrt der Krieger heim mit dem Blut von Päonien. Ich bin das Kind, das am Rand der Welt starb, Auf der Strecke zwischen Ende und Hoffnung. Das Sterndiagramm, das vom Himmel fiel, Der Sommer, der Männer zum Weinen bringt. Ich bin die Frau, die in der Übersetzung sich verirrt Und dennoch überlebt und freudig weitermacht.
Ich bin der Brodem, der den Mund des Canyons öffnet,
Das Sonnenlicht auf den Baumwipfeln; Dort, wo die enge Schlucht den Wind zur Eile antreibt, Bin ich der Ort, wo die Erinnerung entweicht, Der Mythos Zeit. Ich bin der Schlaf im Geist des Berges.
2. Das
Leid der Frauen
Sie reden von einem Ort,
Wo Reis in den Straßen fließt, Über einen Ort, wo es Gold in den Blättern der Bäume gibt, Sie redeten über Zwangsumsiedlung, Als dem Opiummohn in der Sonne schwindelig wurde Glücklich, voller Glauben – Und sie redeten über Flucht, Über Freiheit, Männer, Gewehre, Ach! Die Notwendigkeit zu überleben. Doch was werden sie tun Wenn Sie das Leid der Frauen nicht kennen.
Ein unbekannter Ort
Die Geschichte unserer Rasse Beginnt mit dem Schauplatz von Geschichten. Wir wissen nicht, ob die Sprache, die wir sprechen, Zu einer schriftlichen Vergangenheit gehört. Nichts ist sicher. Es gibt Berge. Oh! Es gibt Berge. Wir kletterten jeden Hang hinauf. Wir schliefen am Fluss.
Doch sprecht noch nicht vom Sieg.
Ein unbekannter Ort jagt den Jäger. Die Beute entkommt ihm. Gestern verhüllten die Frauen ihre Gesichter. Sie verboten den Kindern zu sprechen. Gestern gaben wir Männern Obdach, Die in unseren Bergen geklettert waren, Zum Ruhm eines Vaterlands, behaupteten sie. Jene, die wissen, was wissen bedeutet, Und jetzt haben sich die schlafenden Häuser, Die Männer und die Dörfer in Stein verwandelt. Wenn niemand stirbt, kommt keine Nachricht. Wenn es nur still bleibt, sollten wir uns sorgen Hört, das Gebet klingt leise: Wenn ein Fremder des Wegs kommt, Lasst ihn zum Himmel aufsehen. Eine Rauchwolke verjagt die Ameisen. Seht! Sie haben die Wildkatze getötet Und den Nashornvogel im mütterlichen Schlaf begraben. Die Worte von Fremden haben uns in einen Nebel geführt, Dder tiefer ist als der, den wir zurückließen, Weinend, wie das wogende Grasland, Wo die Gebeine unserer Väter begraben liegen, Umgeben von schönen Gedanken. Es gibt Berge. Oh! Es gibt Berge. Wir kletterten jeden Hang hinauf. Wir schliefen am Fluss. Aber sprecht noch nicht von Sieg! Kleine Städte und der Fluss Kleine Städte gemahnen mich stets an den Tod. Meine Heimatstadt liegt ruhig zwischen Bäumen, Sie ist immer dieselbe, Sommers oder winters, Wenn der Staub fliegt Oder der Wind in die Schlucht hinunter heult.
Erst neulich ist jemand gestorben.
In der furchtbaren Stille weinten wir Betrachteten den traurigen Kranz aus Tuberosen. Leben und Tod, Leben und Tod, Nur die Rituale überdauern Der Fluss hat eine Seele. Im Sommer schneidet sie sich durchs Land Wie ein Sturzbach aus Kummer. Manchmal, Manchmal denke ich, sie hält den Atem an, Sucht das Land der Fische und Sterne. Der Fluss hat eine Seele. Er, der sich über die Stadt hinauszieht, Kennt vom ersten Regentropfen Bis zur trockenen Erde und dem Nebel auf den Berggipfeln, Der Fluss, er kennt Die Unsterblichkeit des Wassers. Ein Schrein glücklicher Bilder Markiert die Tage der Kindheit. Kleine Städte wachsen mit der Sorge Um künftige Generationen. Die Toten werden in Richtung Westen gelegt. Wenn die Seele aufsteigt, Zieht sie in den goldenen Osten, In das Haus der Sonne. In dem kühlen Bambus, Wiederhergestellt im Licht der Sonne Ist das Leben auf diese Art wichtig. In kleinen Städten am Fluss Wollen wir gemeinsam mit den Göttern wandeln. Unberechenbare Tage Was, wenn ich dich verliere an die Masse, Durch einen Diebstahl der Vernunft An die Straßen des Sommers, Die Blütenblätter der Blumen, Selbst an das Singen von Gebeten, An Münzen, Blattgold, Was, wenn – Sich nachts der Fächer dreht Mit dem Lärm von Maschinen Und die Entfernung zwischen uns hängt. Glück. Unglück, einerlei. Nein, jetzt nicht, In den unberechenbaren Tagen Zwischen der grünen Schüssel Erde Und dem Leben aus Glas eingezwängt Sind die Schuppen des Drachens Mit den Dächern von Häusern Gemeinsam im Himmelskreis gefangen. Es gibt so viele Wege zu überleben. Das sehe ich jeden Tag auf den Straßen. Im Hof der Symbole Weint jemand wie ich Um den Mann, der mich liebte. Stimmt es, Dass ich in den Augen von tausend Göttern Ich mit Zufall und Schicksal verquickt bin? Die Sonne brennt. Der Wind streicht über jede Strähne meines Haars. Mitten in der Menschenmenge Die flüchtigen Gesichter von Fremden, Unberechenbar wie die Tage Der Stille und Bewegung Bin ich für die Pein von Bäumen, Den Himmel und die Seen, die anscheinend schlafen Aber ich habe euch nicht erzählt Dass ich nicht gestorben bin.
Design undText: Christiane Bergfeld, Hamburg Alle Rechte vorbehalten. Letzte Aktualisierung: 27. September 2009 ![]() |