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I
Der Kauz und die Katze stachen in See Im schmucken erbsgrünen Boot, Beladen mit Honig und reichlich Gold, Das war in einen Fünfpfundschein gerollt. Der Kauz sah zu den Sternen empor Und sang zum Klang der Laute, „O holde Mieze, Feinsmiezchen mein, O meine holde Braute, So traut, So traut! Meine überaus goldige Braut!" II Die Katze maunzte: „Gefiederter Freund, Eleganter Galan, o sing! Gefreit wird nun und nicht länger gestreunt: Doch was nehmen wir denn als Ring?" Und sie segelten weiter, Jahr und Tag, Bis zum Land, wo der Bongbaum wächst. Und dort in dem Wald stand wie verhext Ein Schweinchen mit Ringlein im Rüssel, Ein Ring, Ein Ring, Ein Ring hing an seinem Rüssel. III „Liebes Schwein, dein Ringelein fein, Verkauf's uns!“ - „Gern", quiekte das Schwein. Gesagt, getan, und anderen Tags Hat der Truthahn die beiden getraut. Sie speisten Haschee und Quittengelee, Die gabel- und löffelten sie. Und Hand in Hand, am Rand, auf dem Sand, So tanzten die beiden im Schein Im Schein ... Im Schein ... Im silbernen Mondenschein. © Christiane Bergfeld |
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| Sehr
hübsch illustriert wurde diese Geschichte
übrigens von
Mr.
Squiggle. Anmerkungen zu meiner Übersetzung Englische
Kinderreime werden gern übersetzt, aber sehr oft
völlig
verschieden, und der Inhalt weicht meistens stark vom Original ab.
Das nennt sich dann vornehm Nachdichtung
statt Übersetzung und stört auch nicht
weiter,
wenn der Übersetzer oder die Übersetzerin - oder der
deutsche Schriftsteller bzw. die Autorin - etwas völlig Neues
schaffen wollen, das in der Zielsprache gefällig klingt und
bei
Kindern gut ankommt, ohne Rücksicht auf die
ursprünglichen
Dramatis personae oder das Vokabular. Nur haben wir
Literaturübersetzer und Literaturübersetzerinnen,
sofern
wir nicht nur Kinderreime, sondern ganze Romane übersetzen,
damit häufig Probleme. Da in englischen Romanen oft und gern
solche Reime zitiert werden - ein Glas Honig weckt bei Autor oder
Autorin sowie der geneigten Leserschaft vielleicht die Assoziation
„owl - pussy-cat - honey - money" oder „The king
sat in his
counting-house, counting all his money; the queen sat in the parlour,
eating bread and honey". Dann spinnt er bzw. sie einen Gedanken
rund um Honig und Geld immer weiter fort, und wir Übersetzer
und Übersetzerinnen haben Pech gehabt, denn Geld und Honig
reimen
sich auf Deutsch nun mal nicht. Das wäre ja auch zu einfach.
Bei
uns läge die Verbindung „Geld -
Welt" viel näher, und der Honig bleibt auf der Strecke
... Wir suchen also nach bereits erschienenen deutschen
Übersetzungen, um das Zitat in den Text einzuflechten, und
müssen feststellen, dass in der deutschen Version weder Geld
noch Honig vorkommen. Vermutlich eher andere Dinge (der
süße
Stoff, aus dem die Reime sind?), mit denen sich das Leben
versüßen
und angenehmer gestalten lässt, aber unser Autor reitet
unbeirrt
auf Geld und Honig herum. Da hilft nur eines: neu übersetzen,
so
dass es in den Kontext passt, sich reimt und doch noch irgendwie
honigsüß und nach viel Geld klingt, sprich:
inhaltlich
möglichst nah am Original bleiben.
Die
Katze steckte wie das KäuzchenIm vorliegenden tierischen Nonsensvers von Edward Lear kommt eine Wortschöpfung des Dichters vor, ein runcible spoon, ein Esswerkzeug, das gleichzeitig Löffel und Gabel sein soll. Darum habe ich im dritten Vers „Die gabel- und löffelten sie" getextet. Normalerweise unsinniges und ungrammatisches Deutsch, aber dem runcible spoon meiner Meinung nach angemessen. Oder angegessen? Natürlich ginge auch eine deutsche Neuprägung. Wie wäre es denn mit Den Zinkenlöffel sich ins Schnäuzchen? Doch nein, das ist ja viel zu lang - das Original widmet dem Zwei-in-eins-Besteck nur eine Zeile, und außerdem hat das Käuzchen doch kein Schnäuzchen. Also, da capo: Zum Schnäbelchen führt nun das Löffelgäbelchen - na, wer wohl? Erraten! Das Käuzchen. Und den Zinkenlöffel sich die Katz ins Schnäuzchen ... Ach nein, das zieht sich ja immer mehr in die Länge. Bleiben wir bei gabel- und löffelten sie. Das ist so schön kurz und bündig. Short and to the point. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann göffeln sie noch heute. Design + Text:
Christiane Bergfeld, Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte Aktualisierung: 8. November 2009 ![]() |
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