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R. F. Symes & R. R. Harding: Edelsteine & Kristalle. Geheimnisvolle Schätze der Erde, Aussehen, Entstehung, Bearbeitung [Crystal & Gem]

Veröffentlichung der Übersetzungsproben
mit freundlicher Genehmigung des Gerstenberg Verlags.

Edelsteine_und_Kristalle_Crystal_and_Gem
Fließtext
Kristalle – von außen ...

Ideale Kristalle weisen symmetrische Merkmale auf. Es gibt drei mögliche Symmetriearten. Läßt sich ein Kristall in zwei spiegelgleiche Hälften teilen, ist eine „Spiegel- oder Symmetrieebene“ vorhanden. Dreht man z. B. einen länglichen, regelmäßig gewachsenen Kalzitkristall dreimal um seine Längsachse, so wiederholen sich dreimal (also immer nach 120°) die gleichen Flächen und Kanten. Die Längsachse ist also eine dreizählige „Symmetrieachse“. Je nachdem, wie oft sich die Ausgangsstellung beim Drehen wiederholt, gibt es zwei-, drei-, vier- oder sechszählige Drehachsen. Die Zähligkeit bestimmt die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Kristallsystemen (s. u.). Spiegel sich jeder beliebige Punkt der Kristalloberfläche an einem Punkt im Zentrum, spricht man von einem „Symmetriezentrum“.

... und von innen

Die regelmäßige Anordnung der Kristallbausteine bestimmt die gleichmäßige Form und andere Eigenschaften. Bei diesen Bausteinen handelt es sich meist um Ionen, elektrisch geladene Atome oder Moleküle, die sich gegenseitig stark anziehen, so daß sie ihren Platz nicht verlassen können. Mineralien bilden ihre Kristalle stets auf die gleiche Art. Der Abbé Haüy (S. 15) begründete im 18. Jh. die Lehre von der Kristallstruktur. 1808 stellte Dalton die Theorie auf, daß die Materie aus winzigen Teilchen (Atomen) bestehe. Röntgen entdeckte 1895 die nach ihm benannten Strahlen und von Laue 1912, daß sich damit die Anordnung von Atomen in Festkörpern bestimmen läßt. Seitdem ist der innere Aufbau von Kristallen bekannt.

Bildlegenden

Spaltbarkeit
Manche Kristalle brechen entlang definierter Spaltflächen, die für alle Exemplare ihrer Art typisch sind. Sie bilden sich entlang der schwächsten Fläche und beweisen die gesetzmäßige Anordnung der Atome.

EIN GLATTER BRUCH
Dieser schöne blaue Topas aus Madagaskar zeigt einen vollkommenen Bruch. Der Topas zählt zu den Silikaten aus isolierten SiO4-Gruppen.

ENTLARVEND
Wichtig ist die chemische Zusammensetzung eines Kristalls oder Minerals. Die moderne Technik liefert erstaunliche Ergebnisse. Diese kleinen blaugrauen Kristalle auf Brauneisenerz entpuppten sich beim Röntgen als Symplesit (Eisenarseniat). Weitere Untersuchungen ergaben überraschenderweise auch Kalzium- und Zinkanteile.

SCHATTENSPIELE
Der Brechungsindex (B) eines Minerals bezeichnet seine Fähigkeit, einen Lichtstrahl zu beugen. Das erleichtert die Bestimmung. Mit einem Refraktor (Brechungsmesser) läßt sich der Index ermitteln: Man sendet einen Lichtstrahl durch den Stein. Je nachdem, ob der Stein einfache oder doppelte Brechung aufweist, werden ein oder zwei Schatten auf eine Skala geworfen.

„WELLENBRECHER“
Unter dem Spektroskop kann man Edelsteine gleicher Farbe unterscheiden. Licht fällt durch einen Schlitz und spaltet sich in die Spektralfarben auf (S. 16). Hält man einen Stein vor die Lichtquelle, erscheinen dunkle Bänder im Spektrum, wo die Wellenlängen vom Kristall „verschluckt“ werden.

ECHT ÄTZEND
Wie in diesem Beryll können Säuren oder heiße Gase in Mineralien Ätzfiguren bilden, wenn sich das Mineral löst. Von der Form der Figuren läßt sich auf das Kristallsystem schließen.

DURCHKREUZT
Durchdringen sich zwei Kristalle, spricht man von Durchdringungs- oder Durchkreuzungszwillingen (hier ein violetter Flußspatzwilling).

AUF DEN TRICHTER
kommen Mineralien, hier Bleiglanz, wenn einige Kristalle an den Kanten schneller wachsen als im Innern. Dann entstehen trichterförmige Hohlräume in der Kristallfläche.

DRUCKERZEUGNIS
Saphire finden sich oft mit Spinellen im Flußkies, selten in ihrem Ausgangsgestein. Dieser Saphir aus Myanmar ist mit Spinellkristallen verwachsen. Die Kristalle bilden sich unter hohem Druck und bei hohen Temperaturen.            

Leseprobe eines anderen Bands aus dieser Reihe.











  Design + Text: Christiane Bergfeld, Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.

Letzte Aktualisierung: 28. September  2009
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