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Anglo-German translations, Englisch-Deutsch Übersetzungen, Christiane Bergfeld

Jean Plaidy  (alias Victoria Holt): Lilith [Originaltitel: Lilith]

Szene aus dem 4. Kapitel
Die Rechte an dieser Übersetzung liegen bei mir. Bei Interesse an einer Neuverwertung
wenden Sie sich bitte an mich.

  Deutsche Erstausgabe 1991

Lilith, deutsche Erstausgabe bei Hestia, Bayreuth, 1991Eine Woche war seit Anthonys Antrag verstrichen, und Amanda hatte seinem grimmigen Blick am Frühstückstischentnommen, daß er allmählich die Geduld verlor.Nach dem Gebet hatte er Mr. Leigh um eine Unterredung in seinem Arbeitszimmer ersucht. Dieser Wunsch wurde ihm gewährt und Amanda daraufhin zu ihrem Vater zitiert. Voll banger Erwartung betrat sie sein Zimmer.
    „Tochter“, sagte er, „ich bin sehr bekümmert, obwohl ich doch eigentlich Grund zur Freude haben sollte. Sage mir eines: Macht es dir Spaß, deine Eltern zu verletzen?“ Es war nicht erforderlich, dies zu verneinen, denn eine Antwort erwartete er nicht. „Es ist mein sehnlichster Wunsch, dich glücklich versorgt zu sehen, damit du ein gutes und nützliches Leben führen    kannst. Das weißt du, und dennoch verhöhnst du meine Wünsche, wie du es während deiner ganzen Kindheit getan hast; du bringst Kummer über deine Mutter, Unglück über uns beide. Ich habe zu Gott gebetet, ER möge dein Herz erweichen, dich mit ein wenig töchterlichem Pflichtbewußtsein erfüllen, an dem es dir leider mangelt; doch bisher hat es dem Herrn nicht gefallen, meinem Wunsche stattzugeben. Dein Vetter hat mich um meine Zustimmung gebeten, dich zur Frau zu nehmen. Ich gab sie ihm mit Freuden. Er ist ein junger Mann, den ich sein ganzes Leben gekannt  habe; er ist meines Bruders Sohn. Mit keinem anderen sähe ich dich lieber glücklich vereint. Er ist ein Leigh – von unserem Fleisch und Blut. Eure Verehelichung würde mir den Sohn bescheren, den Gott mir verwehrt hat. Ich wußte, daß Gott mir den Gedanken eingegeben hat, als ich die Möglichkeit einer solchen Verbindung erwog. Dies ist Gottes Antwort auf meine Gebete. Das war der Grund, warum mein ernstes Flehen um einen Sohn nicht erhört worden war. „Hier ist dein Sohn“, sprach Gott. „Nimm ihn und vereine ihn mit deiner Tochter.“ Gern würde ich Gottes Willen tun, das war stets mein Bestreben. Doch du hast wieder einmal beschlossen, nicht nur mir, sondern auch deinem himmlischen Vater zu trotzen.“
    Das Gespräch nahm den üblichen Verlauf. Wie oft hatte sie schon dieselben Worte gehört, dieselben Phrasen? Gott stand immer auf seiten ihres Vaters, führte ihn bei allen seinen Entscheidungen.
    „Papa“, sagte sie, „ich fühle mich noch zu jung.“
    „Darüber habe ich zu befinden. Du bist sechzehn geworden. Deine Mutter wurde kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag verheiratet, und ich sehe keinen Grund, warum du es nicht sein solltest.“
     „Wenn ich noch eine kleine Weile warten, andere Menschen kennenlernen könnte ...“
     „Maßt du dir etwa an, mir zu sagen, ich wüßte nicht, was für meine Tochter am besten ist?“
     „Ja, Papa. So ist es wohl.“
    Überrascht starrte er sie an; dann schloß er die Augen und preßte seine Hände zusammen. „O Gott“, sagte er, „welch eine Bürde hast DU mir auferlegt? Welch ein Kreuz habe ich zu tragen ... und welches Kreuz ist bitterer als eine undankbare, ungehorsame Tochter? Vergib mir, denn ich weiß nicht, was ich sage.“
    Amanda hatte die Zwiegespräche ihres Vaters mit Gott von jeher als peinlich empfunden. Trotz all seiner angeblichen Demut schien er mit Gott beständig zu hadern, weil ER etwas getan oder nicht getan hatte. Er bemühte sich stets, IHN auf dem Weg zu leiten, den ER gehen solle. Sie legte die Hände auf den Rücken und versuchte, sich Friths lachendes Gesicht vorzustellen und Mut daraus zu schöpfen.
    Ihr Vater hatte die Augen geöffnet. „Du widersetzt dich“, sagte er.„Ich fürchte ja, Papa.“„Dennoch ist dir bekannt, daß ich entschlossen bin, dich mit deinem Vetter zu verheiraten?“
    „Ja, Papa.“ „Du kannst auf dein Zimmer gehen. Wir werden beim Dinner eure Verlobung offiziell bekanntgeben.“„Ich bitte dich, mich nicht dazu zu zwingen, Papa.“ Sie wußte, daß es Schwäche war. Es war kein „Ich will nicht“; er war ein „Ich bitte dich, zwinge ich nicht“. Dazwischen lagen Welten. Sie hatte ihre Niederlage erkannt, und lebenslange Gewohnheit ließ sie diese akzeptieren.
    „Ich bestehe darauf“, sagte ihr Vater; er lächelte wohlwollend, denn er hatte blitzschnell den Zusammenbruch des Widerstandes erkannt. „Und“, fügte er hinzu, beinahe sanft, „in späteren Jahren wirst du vor mir auf die Knie fallen und mir danken für das, was ich getan habe. Nun geh, mein Kind.“ Er kam zu ihr und klopfte ihr auf die Schulter. „Ein bißchen Zaudern ist zuerst vielleicht natürlich. Du meinst, wir hätten dich zu sehr gedrängt. Nun geh auf dein Zimmer! Du bist eine glücklich zu schätzende junge Frau. Ich gratuliere dir zu deinem charmanten Ehemann.“
 
  













































Design + Text: Christiane Bergfeld, Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.

Letzte Aktualisierung: 24. September  2009
  
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