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Susanne Haines: Arbeiten mit Papiermaché [Originaltitel: Papier Maché]


Auszug
Die Rechte liegen wieder bei mir. Bei Interesse an einer Neuverwertung wenden Sie sich bitte an mich.

Bei Pappmaché trügt der Schein: Scheinbar massive Gegenstände aus diesem Material überraschen immer wieder durch ihr leichtes Gewicht.
   Wer einen besonderen Sinn für diese Eigenschaften entwickelt, ist vom Material bezaubert. Es läßt der Phantasie und dem Gestaltungswillen freien Lauf. Keine Regeln, keine Beschränkungen schreiben den Umgang mit Pappmaché vor.
   Die Freude an der schöpferischen Arbeit entwickelt sich aus den einzelnen Phasen, in denen das Werk langsam entsteht. Nach der Anfangsphase kommt das bildhauerische Element, zum Beispiel der Bau eines Stützgerippes oder die Suche nach einer Modellierform. Das Auftragen der Papierschichten ist zeitaufwendig, hat man aber erst einen Rhythmus gefunden, wirkt es beruhigend und entspannend. Beim Grundieren mit weißer Farbe oder Gips nimmt das Werk dann konkrete Gestalt an, das bedruckte Papier wird abgedeckt. Bei der Verzierung der Oberfläche erwacht das Stück schließlich zum Leben.
   Der unterschiedliche Umgang mit diesen Grundtechniken spiegelt die persönliche Vorliebe der Künstler wider. In diesem Buch werden drei Künstlerinnen vorgestellt.
    Julie Arkell arbeitete nach einer Ausbildung als Modedesignerin mehrere Jahre als Illustratorin, bevor sie die enorm befreiende Wirkung der bildnerischen Arbeit für sich entdeckte, genau das Richtige für ihre kreative und originelle Vorstellungskraft. Die antiken griechischen Urnen im Britischen Museum regten sie zur Arbeit mit Pappmaché an, da sie diese dreidimensional nachahmen wollte. Dann wurde sie durch die Liebe zu modischen Accessoires dazu gebracht, farbenfrohen, auffälligen Schmuck anzufertigen, mit dem sie plastische Formen und ihr Faible für Farbe und Ornamentik im Detail erprobte. Es bereitet ihr viel Freude, Objekte und Bilder, die ihr gefallen, auf ihre eigene Art in dreidimensionalen Stilleben neu zu erschaffen. Dabei unterwirft sie sich dem Diktat des Materials, läßt das verknitterte Papier die Oberflächenstruktur bilden und verwendet jetzt auch verstärkt Fundstücke, setzt Ton- und Glasscherben in einem neuen Zusammenhang mit ein.
  Marion Elliot ist ausgebildete Künstlerin und wandte sich der Keramik zu, fertigte Tonvasen, Schüsseln und Plastiken an. Zunehmend frustriert von den beschränkenden Möglichkeiten des Mediums Ton, auch von den wenigen erzielbaren Farbvarianten, probierte sie mehrere Techniken aus, um einen direkteren, bunteren und kraftvolleren Effekt zu erzielen. Schließlich versuchte sie es mit Pappmaché. Sie spürte, daß die Grundtechniken mit dem
              
Töpfern verwandt sind, ihr aber größere Freiheit in bezug auf Farbe, Form und Größe ließen. Sie entdeckte auch, daß die Flexibilität und Vielseitigkeit des Mediums ihrer Arbeitsweise und Phantasie angemessener war. Die Formen ihrer Schalen und Vasen tragen die Handschrift antiker klassischer Keramik, während sie Tätowierungen, Verpackungen und naive Kunst zu Malmotiven inspirieren. Gern läßt sie ihre Gebilde rätselhafte Phrasen oder Verszeilen verkörpern.
   Deborah Schneebeli-Morrell ist ausgebildete Künstlerin und arbeitete ebenfalls mit Ton, der ihr aber nicht genug Freiheit bot. Daher entwickelte sie ihre Ideen mit Pappmaché und begeisterte sich für die Frische und Flexibilität des Mediums. Ganz unbefangen verwendete sie Abfälle für ihre Arbeiten und verwandelte sie in Kunstobjekte. Sie verfügt über eine schier unerschöpfliche Phantasie. Ihre schreinartigen Ikonen mit den symbolischen Figuren reflektieren ihre Lebensphilosophie. Die mexikanische Kunst mit der starken Pappmachétradition hat sie besonders stark beeinflußt. Sie empfindet die traditionellen mexikanischen Bauernpuppen nach, unter Verwendung modernerer Techniken. Mit frischen, leuchtenden Farben betont sie besonders gern die Leichtigkeit des Materials und legt Wert auf ungiftige Werkstoffe. Die Modellierformen für ihre Objekte fertigt sie aus Modelliermasse an. Eine überaus glatte Oberfläche erreicht sie durch Verwendung winziger Papierstückchen und einer Gipsgrundierung aus mehreren Schichten.
Allen drei Künstlerinnen ist die Freude an der Schlichtheit und Flexibilität des Materials gemein, an dem Kreativitätspotential der Formen, am Experimentieren mit Techniken, um bestimmte Resultate zu erzielen, die Suche nach verschiedenen Inspirationsquellen, eine Liebe zur leuchtenden Farbe und zur Magie der Verwandlung, die aus alltäglichen Materialien schöne Objekte zaubert. Ihre Arbeit bereitet ihnen große Freude.
  Die Bastelobjekte in diesem Buch werden Schritt für Schritt erklärt, so daß Sie die Stücke nacharbeiten können. Das Interessanteste bei Modellieren mit Pappmaché sind jedoch eigene Entdeckungen und individuelle Gestaltung. Wenn Sie also die Eigenschaften des Materials kennengelernt haben, experimentieren Sie mit eigenen Ideen und erfinden Sie neue Formen und Techniken. Im Abschnitt „Galerie“ finden Sie weitere Werke der Künstlerinnen, die Sie zum Erproben neuer Wege anregen werden.
                                 ~
Auszug aus:Susanne Haines: Arbeiten mit Papiermaché 

Design + Text  Christiane Bergfeld, Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.
 Letzte Aktualisierung: 27.September 2009
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