blau weiß rot
Please click the logo for the English version.
Anglo-German translations, Englisch-Deutsch-Übersetzungen, Christiane Bergfeld, Marketing, Werbung, Literatur und verwandte Gebiete
           

 Seit 1985
  Übersetzen - Texten  - Lektorieren

Startseite | Impressum/Kontakt/Haftungsausschluss | AGB
Leseproben (Übersicht)| Auswahlliste Belletristik | Auswahlliste Sachliteratur
Jugendroman | Kinder- und Jugendsachbuch
Untertitelung | Wortspielereien
Bildergalerie | Nähkästchen
 Fachübersetzungen | Referenzen | Links | Rechte


PORREE
Allium porrum

                              rote Zwiebel und Lauch (Porree)  
Foto: www.pixelio.de

Dieses dritte Gemüse aus der Familie der Zwiebel geht ebenfalls weit bis ins Altertum zurück und hat eine große Anhängerschaft um sich geschart. Unser moderner Porree hat Ähnlichkeit mit der wilden Lauchart (Allium ampeloprasum), die im Mittelmeerraum sowie im Atlantik auf den Azoren, Kanaren, Kapverdischen Inseln und Madeira heimisch war. Diese Pflanze wurde sogar in den Ruinen der um 7000 v. Chr. zerstörten Stadt Jericho gefunden. Eine andere Bezeichnung für die Wildart ist „Echte Perlzwiebel“. Sie ist winterhart, mehrjährig und hat bemerkenswert große Zwiebeln. Seit Jahrtausenden wird sie von den Völkern des Mittelmeerraums und im Nahen Osten verspeist.
     Die ersten schriftlichen Belege über den Anbau von Porree kommen aus Ägypten und gehen auf das Jahr 3200 v. Chr. zurück. „Man zahle“, so heißt es, „ihm tausend Laib Brot, hundert Krüge Bier, einen Ochsen und hundert Bund Porree“. Plinius meinte, der beste Porree komme aus Ägypten und aus Aricia in Italien. In Rom war er groß in Mode, denn Kaiser Nero aß ihn jeden Monat an mehreren aufeinander folgenden Tagen – in der Annahme, damit seine Stimme für den Vortrag seiner Lieder und Gedichte zu stärken. Das brachte ihm den Spitznamen „Porreefresser“ bei den kaiserlichen Untertanen ein.
     Auch im Mittelalter erfreute sich der Porree großer Beliebtheit. Karl der Große hatte eine Liste von Gemüsepflanzen, die er in seinem Reich anbauen ließ, darunter befand sich auch Porree. Ein klassisches Pflanzenbuch aus dem vierzehnten Jahrhundert weist seine Leser an, scharf riechendes Lauch mit Honig zu kochen und langsam einzunehmen. dies sei nicht nur ein Aphrodisiakum, sondern auch ein Abführmittel, das bei Brustschmerzen und Katarrh helfe sowie die Lunge reinige. Offenbar erinnerte man sich an Nero, wenn er auch nicht namentlich erwähnt wurde.
Der Porree wurde auch die Wappenpflanze von Wales, was in Shakespeares Heinrich V. vorkommt, in dem nämlich Fluellen eine Lauchpflanze am Hut trägt. Pistol verkündet:
     
       „Sag ihm, ich will sein Lauch

      ihm um den Kopf am Davidstage schlagen!“
        (Heinrich V., 4. Aufzug, 1. Szene, Übersetzung: August Wilhelm von Schlegel)


     Die walisische Sitte, am Sankt-Davids-Tag (1. März) Porree mit sich zu führen, geht auf den siegreichen Ausgang einer Schlacht zurück, in der sich die Waliser an der Pflanze erkannten, die sie wie eine Feder am Hut stecken hatten. Thomas Tusser, Bauer und Dichter, reimte 1557:
     
      Die Zeit des Lauchs ist kommen, für eine Suppe gut/

     Verschonet die Milchkuh und reinig’t das Blut/
     Und labet die Suppe aus Erbsen und Lauch/
     Sparest du Brot und Haberkorn auch.
   
     Die Meinungen über den Porree sind geteilt. Einerseits rühmt man ihn als delikat, da er viel milder schmeckt als der Rest der Zwiebelfamilie, zum Beispiel püriert mit Eigelb in einem klassischen Flamiche aux poitreaux oder in einer Porrata, der florentinischen Lauchtorte aus Hefeteig mit Eiern. Andererseits rümpfen manche die Nase wegen seiner Verwandtschaft zum Knoblauch und bezeichnen ihn abfällig als den „Spargel des armen Mannes“.
    Jane Grigson schreibt, daß der Porree lange in Ungnade gefallen sei. Im sechzehnten Jahrhundert verschwand er allmählich und war bei seiner Rückkehr im neunzehnten Jahrhundert nicht besonders willkommen. Mrs. Bretons klassisches Kochbuch aus dem zwanzigsten Jahrhundert enthält nur zwei Lauchrezepte. Sie verlangt ausdrücklich, man solle ihn gründlich kochen, damit er nicht „den Atem verderbe“. Wieder einmal stoßen wir auf eine Urangst des Menschen, nämlich schlecht zu riechen. zurück zum KNOBLAUCH

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Auszug aus: Colin Spencer: Von Artischocke bis Zucchini. Die frische Gemüseküche. 

Mit Fotografien von Linda Burgess

Der Originaltitel Colin Spencer's Vegetable Book erschien 1996. Die Rechte an der Übersetzung liegen inzwischen wieder bei mir. Bei Interesse an einer Neuverwertung wenden Sie sich bitte an mich.


Design + Text: Christiane Bergfeld, Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte Aktualisierung: 8. Oktober 2009
 Seitenanfang




*