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PORREE
Dieses dritte Gemüse aus der Familie der Zwiebel geht
ebenfalls
weit bis ins Altertum zurück und hat eine große
Anhängerschaft um sich geschart. Unser moderner Porree hat
Ähnlichkeit mit der wilden Lauchart (Allium ampeloprasum),
die im Mittelmeerraum sowie im Atlantik auf den Azoren, Kanaren,
Kapverdischen Inseln und Madeira heimisch war. Diese Pflanze wurde
sogar in den Ruinen der um 7000 v. Chr. zerstörten Stadt
Jericho
gefunden. Eine andere Bezeichnung für die Wildart ist
„Echte
Perlzwiebel“. Sie ist winterhart, mehrjährig und hat
bemerkenswert große Zwiebeln. Seit Jahrtausenden wird sie von
den
Völkern des Mittelmeerraums und im Nahen Osten verspeist.
Die ersten schriftlichen Belege
über den Anbau
von Porree kommen aus Ägypten und gehen auf das Jahr 3200 v.
Chr.
zurück. „Man zahle“, so heißt
es, „ihm
tausend Laib Brot, hundert Krüge Bier, einen Ochsen und
hundert
Bund Porree“. Plinius meinte, der beste Porree komme aus
Ägypten und aus Aricia in Italien. In Rom war er
groß in
Mode, denn Kaiser Nero aß ihn jeden Monat an mehreren
aufeinander
folgenden Tagen – in der Annahme, damit seine Stimme
für den
Vortrag seiner Lieder und Gedichte zu stärken. Das brachte ihm
den
Spitznamen „Porreefresser“ bei den kaiserlichen
Untertanen
ein.
Auch im Mittelalter erfreute sich der
Porree
großer Beliebtheit. Karl der Große hatte eine Liste
von
Gemüsepflanzen, die er in seinem Reich anbauen ließ,
darunter befand sich auch Porree. Ein klassisches Pflanzenbuch aus dem
vierzehnten Jahrhundert weist seine Leser an, scharf riechendes Lauch
mit Honig zu kochen und langsam einzunehmen. dies sei nicht nur ein
Aphrodisiakum, sondern auch ein Abführmittel, das bei
Brustschmerzen und Katarrh helfe sowie die Lunge reinige. Offenbar
erinnerte man sich an Nero, wenn er auch nicht namentlich
erwähnt
wurde.
Der Porree wurde auch die Wappenpflanze von Wales, was in Shakespeares
Heinrich V. vorkommt, in dem nämlich Fluellen eine
Lauchpflanze am
Hut trägt. Pistol verkündet:
„Sag ihm,
ich will sein Lauch
ihm um den Kopf am Davidstage schlagen!“
(Heinrich V., 4. Aufzug, 1. Szene,
Übersetzung: August Wilhelm von Schlegel)
Die walisische Sitte, am Sankt-Davids-Tag (1.
März)
Porree mit sich zu führen, geht auf den siegreichen Ausgang
einer
Schlacht zurück, in der sich die Waliser an der Pflanze
erkannten,
die sie wie eine Feder am Hut stecken hatten. Thomas Tusser, Bauer
und Dichter, reimte 1557:
Die Zeit des Lauchs
ist kommen, für eine Suppe gut/
Verschonet die Milchkuh und reinig’t das Blut/
Und labet die Suppe aus Erbsen und Lauch/
Sparest du Brot und Haberkorn auch.
Die Meinungen über den Porree
sind geteilt.
Einerseits rühmt man ihn als delikat, da er viel milder
schmeckt
als der Rest der Zwiebelfamilie, zum Beispiel püriert mit
Eigelb
in einem klassischen Flamiche
aux poitreaux oder in einer Porrata,
der florentinischen Lauchtorte aus Hefeteig mit Eiern. Andererseits
rümpfen manche die Nase wegen seiner Verwandtschaft zum
Knoblauch
und bezeichnen ihn abfällig als den „Spargel des
armen
Mannes“.
Jane Grigson schreibt, daß der
Porree lange in
Ungnade gefallen sei. Im sechzehnten Jahrhundert verschwand er
allmählich und war bei seiner Rückkehr im neunzehnten
Jahrhundert nicht besonders willkommen. Mrs. Bretons klassisches
Kochbuch aus dem zwanzigsten Jahrhundert enthält nur zwei
Lauchrezepte. Sie verlangt ausdrücklich, man solle ihn
gründlich kochen, damit er nicht „den Atem
verderbe“.
Wieder einmal stoßen wir auf eine Urangst des Menschen,
nämlich schlecht zu riechen. zurück zum KNOBLAUCH
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Auszug
aus: Colin Spencer: Von
Artischocke bis Zucchini. Die
frische Gemüseküche.
Mit
Fotografien
von
Linda Burgess
Der Originaltitel Colin
Spencer's Vegetable Book
erschien 1996. Die Rechte an der Übersetzung liegen inzwischen
wieder bei mir. Bei Interesse an einer Neuverwertung wenden Sie sich
bitte an mich.
Design
+ Text: Christiane Bergfeld, Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte
Aktualisierung: 8. Oktober 2009

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