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1985
|
![]() Die Geschichte der Logan-Brüder persifliert bewusst Elemente eines anderen Werks über die tragischen Folgen des amerikanischen Erfolgskults, Arthur Millers Stück Tod eines Handlungsreisenden. Brautigans einfach gestrickte amerikanische Bilderbuchfamilie Logan ist eine Parodie auf Millers Familie Loman. Vater Logan hat als Kfz-Mechaniker eine glückliche Hand - sogar Goldfinger - für Getriebe; goldwert in der Autowerkstatt, doch gleichzeitig ein Verhängnis wie für den mythischen König Midas. Leider fiel es Mr. Logan sehr schwer, sich anderen Menschen mitzuteilen: „Manchmal wünschte er sich, dass Menschen Getriebe wären." (WBT, S. 82). Er ist eine abgespeckte Version von Millers Handlungsreisendem Willy Loman, der sich ganz über seine Arbeit definiert und zu zwischenmenschlicher Kommunikation wirklich unfähig ist. Mutter Logan ist auf ähnliche Art und Weise eine reductio ad absurdum von Linda Loman: „eine nette Frau, die sich um ihre eigene Nase kümmerte und viel backte" (WBT, S. 48). Am Anfang führen die Logan-Brüder ein beschauliches Leben, sie spielen Bowling und vergöttern ihre vergoldeten Trophäen. Doch im weiteren Verlauf der Handlung zeigen diese Karikaturen typisch amerikanischer Kinderei hinter der harmlosen Fassade das Potenzial an psychopathischer Gewalttätigkeit. Nach dem Diebstahl der goldenen Pokale verlieren die Brüder ihre „uramerikanische Unschuld" (WBT, S. 31). Auf der zwanghaften Suche nach den verschwundenen Trophäen verkommen sie zu einer Bande gemeiner Verbrecher: „Ihre Zukunft war Amerika und drei lange Jahre der Suche und ein Prozess von schleichendem Zerfall des Charakters und eines langsamen Rückzugs von Würde und Selbstachtung. In drei Jahren würden sie das werden, was sie immer verachtet hatten." (WBT, S. 82) From: Notes on Modern American Literature, 6 (1), Item 8 Spring/Summer 1982 Courtesy of Professor Andrew Gordon, Ph. D. |
Richard Brautigan parodiert Arthur Miller von Andrew Gordon, Ph. D. University of Florida Willard
und seine Bowlingtrophäen. Ein grotesker Kriminalroman (1975) ist wieder so eins
von Richard Brautigans launigen
Experimenten, die populäre Genres amerikanischer
Literatur aufs Korn nehmen. (In Das
Hawkline-Monster (1974) persifliert
er den Western und den Detektivroman in Träume von Babylon:
Ein Detektivroman 1942 (1977)). [Anm. d.
Übers.: Die neue Übersetzung erschien 2009 unter dem Titel Von
Babylon träumen ... Eine Kriminalgeschichte im San
Francisco von 1942 im Boder Verlag.] Diese
sarkastische schwarze Komödie handelt
u. a. von der
Suche der Logan-Brüder nach ihren gestohlenen Bowlingtrophäen,
einer Suche, die zur
Obsession
wird
und mit einer sinnlosen Bluttat endet. Hinter Brautigans
Launigkeit verbirgt sich Verzweiflung
am unaufhaltsamen Sittenverfall als
Folge der amerikanischen Götzenverehrung von Geld
und Erfolg; so verquickt er Posse und Gewalt
zu einer Tragikomödie. Wie schon der Titel vermuten lässt,
ist
es ein „verdrehter“* Krimi, in dem das Rätsel
(Wer hat die Bowlingtrophäen
gestohlen
und warum?) absichtlich ungelöst
bleibt und den Leser zum Nachdenken über Brautigans
tieferes moralisches Anliegen
zwingt.
--- *„Perverse“ im Originaluntertitel spielt sowohl auf diese bewusste Abkehr von den formalen und inhaltlichen Kriterien des Genres als auch auf die SM-Komponente der Handlung an. (Anmerkung der Übersetzerin) Doch das Allerwichtigste: Die drei Logan-Brüder leben die kindischen Fantasien von Millers Biff und Happy aus, die ewig Adoleszenten. Wie Happy in dem Stück zu seinem Bruder sagt: „Wir sind zwei Basketballmannschaften, okay? Zwei Wasserpoloteams. Wir spielen gegeneinander. Zwei Brüder, okay? Die Loman-Brüder. Eine Publicity, die Millionen Dollar wert ist.“ In Willard sind es die „die Logan-Brüder, die sich zu einem wirklich klasse Bowlingteam, ach was, zu einem Bowlingteam der Meisterklasse formiert hatten, in dem sie jahrelang spielten.“ (WBT, S. 26). Wie die Logan-Brüder sind die Lomans unbedarfte Abziehbilder junger Amerikaner, indoktriniert mit einem naiven Glauben an finanziellen Erfolg und Geschäftstüchtigkeit. An einer Stelle liest ein Logan ein Jobangebot in einem Comicheft, eine wunderbare Chance für Kinder, Salbe an der Haustür zu verkaufen. „Er fragte sich, warum er als Kind nie Salbe verkauft hatte. Das sah nach einer wirklich interessanten Verdienstmöglichkeit aus.“ (WBT, S. 90) Später heißt es, „er wäre lieber ein Kind gewesen, das den Nachbarn Salbe verkauft und einen Haufen Geld mit etwas verdient, nach dessen Gebrauch die Leute sich besser gefühlt und dann mit Wohlwollen an ihn gedacht hätten, weil er ihnen die Salbe verkauft hatte“. (WBT, S. 122) Brautigan zeigt auf, dass das amerikanische Evangelium „Wie man Freunde gewinnt und Leute beeinflusst“ dem Kult von Geschäftstüchtigkeit und wirtschaftlichem Erfolg unterworfen ist. Für Brautigan ist es eine Comicheftidee, die er in vorsätzlich schlichter Comicheftsprache ironisiert. Wie
Tod eines Handlungsreisenden dreht sich Willard und seine
Bowlingtrophäen zum Teil um den menschlichen Müll, der durch die
amerikanische Götzenverehrung des finanziellen Erfolgs erschaffen wird,
doch anders als Miller sieht Brautigan Amerika von
Comicheftideen
betrogen und unrettbar verdorben.
Mr. Logan hat „Goldfinger" wie weiland König Midas, und seine Söhne haben ihre goldenen Trophäen, aber davon abgesehen sind sie leer. Brautigans Satire ist sowohl eine Hommage an Millers Stück als auch ein verzweifelter Kommentar zu dessen Botschaft von der Warte eines zusätzlichen Vierteljahrhunderts amerikanischer Geschichte. Brautigans schwarze Komödie entmenschlicht seine Figuren und gestattet uns keine Sympathie für sie. Das gewalttätige Finale lässt bewusst die erlösenden Obertöne von „Requiem" ins Millers Stück aus. Willard ist eine düstere Farce, die Amerika als Falle ohne Fluchtmöglichkeit sieht: „Es ist ziemlich egal, wo wir suchen", antwortete sein strenger Bruder, in allen Richtungen von Amerika umgeben." (WBT, S. 114). |

