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In diesem Ausschnitt aus dem 4. Kapitel tauchen folgende Personen auf: Erlich (CIA-Agent), Major Tuck (Engländer, Vater eines Auftragskillers), Frederick Bissett (britischer Atomphysiker, sehr frustriert von seiner Arbeit und der geringen Wertschätzung, die man ihm entgegenbringt.

     Deutsche Erstausgabe 1991 Lilith, deutsche Erstausgabe bei Hestia, Bayreuth, 1991      Erlich hatte nie mit Engländern arbeiten müssen. Dieser   hier war doch bestimmt aus dem National Theatre  am Ende der Straße entlaufen? Sie saßen in einem  Pub mit Blick auf die Themse, einen Steinwurf vom Century House entfernt, von den Büroräumen des Secret Intelligence Service. Absolut gar nichts würde Erlich Zutritt in den Turm des SIS verschaffen, hatte Ruane ihn vorgewarnt. Der Bühnenengländer trug ein rosafarbenes Seidenhemd und eine lindgrüne getupfte Fliege. Ein alter Wichtigtuer war das. Sie saßen in dem überfüllten des Pubs, der sich Saloon Bar nannte, zwischen lauter weißen Hemden, die hier ihre Lunchpause verbrachten. Die andere Bar war voller Bauarbeiter. Erlich fand diesen Treffpunkt idiotisch. In der drangvollen Enge hockten sie so dicht aufeinander, daß jede gelangweilte Runzel auf dem Gesicht des Mannes klar zutage trat. Der Kerl schien alles, was er zu hören bekam, entsetzlich öde und belanglos zu finden. Erlich trank Perrier, Ruane                     Tomatensaft.

     Der Engländer trank zwei große Gin Tonic, ohne Eis, mit Zitrone. Erlich nannte ihm den Namen Colt. Man sicherte ihm zu, ihn zu überprüfen.
     Draußen sagte Ruane, nachdem der Mann die Straße hinuntergeschlendert war:  „Glaub bloß nicht, daß sie alles auf die gleiche Art erledigen wie wir, auch wenn sie dieselbe Sprache sprechen. Die CIA hat eine Adresse und ein Hinweisschild. Diese Leute hier existieren gar nicht, wenigstens nicht hier. Ein scheues Gesindel  ...“
    „Sind die etwa alle so exotisch?“
    „Ja, der hier ist schon ein schräger Vogel, aber unter dem bunten, auffälligen Gefieder kannst du, wenn du so viel Glück wie Ehrgeiz hast, einen nüchternen Zeitgenossen finden. Er hat eine Mission in das Bekaa-Tal organisiert und befehligt. Mit einem Scharfschützen hat er mehr erreicht als ein Phantomjäger der israelischen Luftwaffe, er hat einen üblen Schurken zur Stecke gebracht.“
   Erlich sagte mit Nachdruck: „Ich nehme alles zurück.“

Gerald_Seymour_Schwarze_Geschaefte

Major Tucks Brief an seinen Sohn, inzwischen verschlüsselt, wurde per  Fernschreiber in das Verteidigungsministerium in Bagdad übermittelt. Alles, was Colin Olivier Louis Tuck betraf, wurde in dem kleinen Bürokomplex hinter einem  Zaun abgehandelt, der durch eigene Truppen bewacht wurde. Bis Colts Vater sich eine Brühe mit Toast und Ei zum Abendbrot nach oben bringen würde, wäre der  Brief schon in der Abteilung des Colonels.
 
Zeit bezeichnete man in Frederick Bissetts Privatwelt, der Welt von H3, als den einhundertmillionsten Teil einer Sekunde. Der Prozeß der Kernexplosion, die eine Stadt ausradieren würde, implizierte eine Reaktion, die in ein paar Hundert dieser Zeiteinheiten stattfand. Entfernung mußte man neu definieren, bezogen auf den Durchmesser einer Einheit, die so klein war wie das Elektron, das das Neutron im Atomkern umkreist. Der Durchmesser des Elektrons ist ein „Fermi“, so benannt nach dem italienischen Forscher der diese mathematische Formel gefunden hat. Es gibt 300 000 000 000 000 Fermis auf zwölf Zoll. Von Temperatur sprach man im Zusammenhang von einigen hundert Millionen Grad Celsius, notwendig zum Trennen des Elektrons vom Wasserstoffatom, entscheidend für das Entfernen elektrostatischer Widerstandskräfte der Kerne, damit sie kollidieren können. Je höher die Temperatur, desto größer die Kollisionskraft, desto vollständiger die Reaktion. Druck berechnete man in Megabar. Der Druck im Zentrum einer Kernexplosion betrug ein Megabar mal eine Million, gleich acht Billionen Tonnen pro Quadratzoll. Energie war die Freisetzung einer Kraft, mittels derer 2,2 Pfund Gewicht des Materials, Plutonium, im Falle einer kompletten Spaltung gewaltige Kräfte im Muskel der Physik produzieren konnten, der einer Detonation von 20 000 Tonnen konventionellen Sprengstoffs vergleichbar war.
    Für seine Arbeit mit Zeiten, Entfernungen, Temperaturen, Druck und Energien zahlte man dem Wissenschaftler Bissett, Gehaltsstufe 8, weniger als seinem Nachbarn, dem Klempner, und dem Nachbarn des Klempners, dem Vertreter in Konservendosen.
    Reuben Boll stand an seiner Tür.
    Die Stimme dieses Mannes dröhnte in dem kleinen Kabuff, man konnte sie bis ins  Vorzimmer hören, wo Carol das Zepter über ihre Bürogehilfen schwang.
    „Würden Sie mir freundlicherweise mitteilen, wann Ihr Material endlich fertig ist?“
    Bissett antwortete nicht.
    Von Monat zu Monat nahm der Arbeitsdruck zu. Er hätte eine Kurve davon zeichnen können.
    Mit dem Trident-Programm hatte der ganze Streß seinen Anfang genommen, da dem U-Boot-System im AWE absoluter Vorrang eingeräumt wurde. Alles fiel Trident zum Opfer. Bissetts eigenes Projekt wurde in den Hintergrund gedrängt, man strich ihm Mitarbeiter, Laborzeit, Experimentiermöglichkeiten. Personalknappheit war ein weiterer Faktor. Weniger Forscher, weniger Techniker, weniger Ingenieure. Welcher erstklassige Hochschulabsolvent ließ sich schon für die AWE gewinnen, wenn er in der Privatwirtschaft fünfzig bis hundert Prozent mehr verdienen konnte?
    Vielleicht war einfach nicht genügend Geld da für Frederick Bissetts Gehalt oder dringend benötigte Mittel für seine Arbeit, aber für bauliche Maßnahmen fehlten diese weiß Gott nicht. Mehr als eine Milliarde für den A90-Komplex, und er hatte gehört und glaubte es auch, daß 35 Millionen Pfund nur für den neuen Sicherheitszaun zur Verfügung standen ... Dafür gab es genügend Mittel, Geld spielte keine Rolle für die verdammten Bauunternehmer.
Auszug aus: Gerald Seymour: Schwarze Geschäfte (Thriller)
Originaltitel: Condition Black
Deutsche Übersetzung: © Christiane Bergfeld


 Die Rechte an der deutschen Übersetzung sind an mich zurückgefallen. Bei Interesse an einer  Neuverwertung wenden Sie sich bitte an mich. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf  hinweisen, dass der Text vom deutschen Verlag seinerzeit gekürzt wurde. Da es sich um einen  Schnellschuss handelte, bekam ich die Korrekturfahnen nicht mehr zur Einsicht und konnte nicht  davon abraten. Die gestrichenen Passagen waren meiner Ansicht nach schon wichtig für die  atmosphärische Dichte dieses Thrillers.






Design + Text: Christiane Bergfeld, Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.

                                              Letzte Aktualisierung: 27. September 2009 
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