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1985
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Für
Vivienne und Malcolm war Punk sowohl eine Fortsetzung der kommerziellen
Ausbeutung der Jugendkultur als auch ein Mix aus vielen
früheren
Jugendkulten der Nachkriegszeit – Rocker, Teddy-Boys,
Mods,
Rastafaris – zu einem Molotow-Cocktail trotzigen Protestes.
Punk
war insofern postmodern, als er sich Symbole und Kleiderstile aus
anderen Jugendkulturen für die Kreation einer eigenen Collage
borgte, ein Rezept, das Vivienne noch bis Anfang der neunziger Jahre
verwendete. Damit war Punk eine Reflexion des Pluralismus, der bereits
dem „Ein-Look-für-eine-Saison“-
Prinzip der Haute Couture den Garaus gemacht hatte. „Punk“, erklärte Vivienne, „war ein großer Aufstand gegen die Autorität ... Woher kamen denn all die Sachen? Aus der Kultur! ... Die Motive für den Widerstand gegen das Establishment lagen schon in der Kultur begründet ... Als Malcolm und ich noch vor dem Punkrock mit dem Kleidermachen anfingen, sahen wir uns die Kultur an, die wir aus eigener Erfahrung kannten. Wir versuchten das Rebellische auszudrücken, dabei aber sämtliche Motive herauszuwerfen. Unsere Neugier und Recherche führten dazu, daß ein ganz neuer Kult entstand.“ Tatsächlich
kamen die wichtigsten Vorboten
des Punk weder von Westwood noch von
McLaren. „Selbermachen“ lautete der Schlachtruf.
Röhrenhosen und Jeans wurden schon von denen getragen, die
sich
von den Schlaghosen
der Hippies distanzieren wollten; die
Sicherheitsnadeln kamen von Johnny Rotten über Richard Hell,
der
auch als erster die zerschlitzte und zerrissene Mode trug; das
„gebrauchte“ Tampon von Sid Vicious; die
Rasierklingen,
Mülltonnendeckel und Fahrrad- oder
Toilettenspülketten wurden
von Punkern auf der Straße eingeführt, wie
später auch
der Mohikanerschnitt; das Hundehalsband von Sharon Hayman aus dem Bromley
Contingent; die Elemente militaristischer Kleidung und das
dreist Artifizielle in Make-up und Haartracht von Jordan; die
abgewandelte Lederjacke (idealerweise von „Lewis
Leathers“
in der Great Poland Street) war den Hell’s Angels abgeguckt
und
wurde mit The Clash, nicht den Pistols assoziiert, die lieber
zerrissene Schuluniformen aus Secondhand-Kleiderläden
von Wohlfahrtsorganisationen wie Oxfam trugen.
Die Punkmode
feierte das Verkommene, Grausame, Unpassende und
Ärmliche. Wenn irgend etwas den Ruch des politisch schlechten
Geschmacks hatte (die Hakenkreuze), des sexuelle schlechten Geschmacks
(das gebrauchte Tampon oder Kondom), der Arbeiter-Schäbigkeit
(der
Regenparka), des Billigen (die schwarze Mülltüte, die
der
Clubbetreiber Philip Sallon populär machte), des Makabren (die
mit
Kajal fabrizierten „blauen Augen“, inspiriert von
Stanley
Kubricks Film Uhrwerk Orange
aus dem Jahr 1971) oder des Morbiden (der
superschmale schwarze Binder, der als Henkersschlinge getragen wurde),
dann stürzte man sich darauf. 1978 sagte Vivienne zum
Punkmagazin Search and
Destroy: „Jetzt wo die Todesstrafe in England
abgeschafft ist, weiß jeder, daß ihm etwas derart
Schreckliches nicht widerfahren kann, darum kann man so frei sein, wie
man mag.“
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