Regionale
Besonderheiten
Die französische Krippe lebte nach
ihrer
Unterdrückung während der Französischen
Revolution in
der Provence wieder auf. Das Verbot der Revolutionsregierung,
öffentlich religiöse Weihnachtsdekorationen
aufzustellen,
führte zu einer großen Wertschätzung der
häuslichen Krippe, die die Geburt Christi mit typischen
Figuren
aus den provenzalischen Dörfern darstellt, die namentlich
genannt
werden und an ihren charakteristischen Verhaltensweisen zu erkennen
sind. Einige sollten hier angeführt werden: Die Arlesianerin
oder
Arlatenco in der Sprache der Provence, bringt Blumen und trägt
die
Tracht aus Arles. Ihr Haar ist gescheitelt, und der Knoten wird mit
einer goldenen Nadel gehalten. Die Blinde mit dem Sohn, in dem die
bereits beschriebene Figur der „Kirche“ zu erkennen
ist;
Bartholomäus, Freund der Flasche, dessen Hose von nur einem
Träger gehalten wird. Die
„Bohèmienne“,
provenzalisch Bóumiano, mit dem Kind auf dem Arm und einem
Tamburin ist eine junge Zigeunerin, die als Figur 1820 in Marseille in
die Krippe eingeführt wird, zum Zeichen der traditionellen
Gastfreundschaft, die die Provenzalen den Nomaden erweisen.
Ferner gibt es die fliegende Blumenhändlerin mit den
Gartenscheren
am Gürtel und dem schwarzen breitkrempigen Hut und den
Stiefeln.
Er erinnert daran, daß die provenzalischen Wälder
gute
Jagdgründe waren. Der Seelsorger mit Schirm oder einem
großen rot-weiß karierten Taschentuch und das Kind
mit der
Frucht. Das Paar im Sonntagsstaat unter dem großen roten
Schirm
ist in der Provence ein Zeichen für Wohlstand und Respekt. Der
Mann trägt den Wein und die Frau ein Kräuterbrot. Die
Frauen
mit den Kohlenpfannen und dem Korb mit Käse; die Frau mit dem
Wärmetopf und dem roten Schirm, Symbol für gesunden
Menschenverstand und Erfahrung; die Frau, die in einem Mörser
Knoblauch für die Mayonnaise zerstampft. Dann gibt es die
verschiedenen Hirten – auf den Stock gestützt,
kniend,
schlafend, alt, mit dem Lamm auf den Schultern, auch die Hirtin fehlt
nicht – und verschiedene Paare, z. B. Kind und alter Mann.
Die
Schneckenverkäuferin; die Betenden; ein Mann, der
Früchte
bringt, und eine Frau mit der Poumpo trägt, eine
typische
Weihnachtssüßspeise aus Mehl, Olivenöl und
Zucker, die
nach Orangen und Zitronen duftet; der Glasbläser, der
Böttcher und der Tamburinspieler.
In der Genueser Krippe gibt es
Gelindo und Gelinda,
zwei kniende Hirten, die Jesus Geschenke darbringen. Die
neapolitanische Krippe hat in ihrem Inventar neben anderen Figuren den
Wirt, den Schäfer, den Bettler, den Bauern mit dem
Weinfaß,
den Fiedler, die Mutter mit dem Kind, die Tische mit allerlei Speisen
und im Gefolge der Weisen den Georgier, die Odaliske, den Janitscharen,
den Zirkassier und andere orientalische Gestalten.
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La Befana, die Hexe
Diese italienische Figurenschöpfung
stellt eine
Personifikation des Festes dar. Die Befana zeigt gutmütige
Züge, wenn sie Geschenke bringt wie der heilige Nikolaus und
Angst
einflößende wie ihr fürchterliches Aussehen
als alte
Hexe. Sie steht damit auch für die dunklen,
unbewußten
Aspekte der menschlichen Natur, und nicht zufällig wird sie
auf
römischen Drucken aus dem 18. Jahrhundert mit einer schwarzen
Maske dargestellt. In der Befana, die mit ihrem Erscheinen auch den
Karneval einleitet, trifft man auf eine Figur, die mit dem Tod, der
Dunkelheit und dem Alter verbunden ist und als Verkörperung
des
dunklen und kalten Teils des Jahreszeitenzyklus eine wesentliche Rolle
dabei spielt, das neue Leben hervorzulocken.
„Befanate“ heißen
die toskanischen
Bettelgesänge mit sakralem oder profanem Inhalt. Sie werden
von
einer Gruppe von Männern vorgetragen, von denen einer als
alter
Mann verkleidet ist. Sie ziehen von Haus zu Haus,
überbringen gute Wünsche und bitten um Spenden
– ganz
offensichtlich eine Variante der Tradition der Sternsinger, die in ganz
Europa die Reise der Heiligen Drei Könige nachahmen.
Veröffentlicht
mit freundlicher Genehmigung des Benziger Verlags.
Eine
weitere Textprobe aus diesem reich bebilderten
Werk finden Sie auf der Internetpräsenz meiner
Mitübersetzerin,
Dr.
Ulrike Schimming.
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