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ITALIENISCH  > DEUTSCH

Gioia e Fernando Lanzi: Il presepe e i suoi personaggi

[Krippenfiguren aus aller Welt: Geschichte und Tradition]

Krippenfiguren aus aller Welt von Goia und Fernando Lanzi, aus dem Italienischen übersetzt

Auszug aus meiner deutschen Übersetzung

           Regionale Besonderheiten

Die französische Krippe lebte nach ihrer Unterdrückung während der Französischen Revolution in der Provence wieder auf. Das Verbot der Revolutionsregierung, öffentlich religiöse Weihnachtsdekorationen aufzustellen, führte zu einer großen Wertschätzung der häuslichen Krippe, die die Geburt Christi mit typischen Figuren aus den provenzalischen Dörfern darstellt, die namentlich genannt werden und an ihren charakteristischen Verhaltensweisen zu erkennen sind. Einige sollten hier angeführt werden: Die Arlesianerin oder Arlatenco in der Sprache der Provence, bringt Blumen und trägt die Tracht aus Arles. Ihr Haar ist gescheitelt, und der Knoten wird mit einer goldenen Nadel gehalten. Die Blinde mit dem Sohn, in dem die bereits beschriebene Figur der „Kirche“ zu erkennen ist; Bartholomäus, Freund der Flasche, dessen Hose von nur einem Träger gehalten wird. Die „Bohèmienne“, provenzalisch Bóumiano, mit dem Kind auf dem Arm und einem Tamburin ist eine junge Zigeunerin, die als Figur 1820 in Marseille in die Krippe eingeführt wird, zum Zeichen der traditionellen Gastfreundschaft, die die Provenzalen den Nomaden erweisen.  Ferner gibt es die fliegende Blumenhändlerin mit den Gartenscheren am Gürtel und dem schwarzen breitkrempigen Hut und den Stiefeln. Er erinnert daran, daß die provenzalischen Wälder gute Jagdgründe waren. Der Seelsorger mit Schirm oder einem großen rot-weiß karierten Taschentuch und das Kind mit der Frucht. Das Paar im Sonntagsstaat unter dem großen roten Schirm ist in der Provence ein Zeichen für Wohlstand und Respekt. Der Mann trägt den Wein und die Frau ein Kräuterbrot. Die Frauen mit den Kohlenpfannen und dem Korb mit Käse; die Frau mit dem Wärmetopf und dem roten Schirm, Symbol für gesunden Menschenverstand und Erfahrung; die Frau, die in einem Mörser Knoblauch für die Mayonnaise zerstampft. Dann gibt es die verschiedenen Hirten – auf den Stock gestützt, kniend, schlafend, alt, mit dem Lamm auf den Schultern, auch die Hirtin fehlt nicht – und verschiedene Paare, z. B. Kind und alter Mann. Die Schneckenverkäuferin; die Betenden; ein Mann, der Früchte bringt, und eine Frau mit der Poumpo trägt,  eine typische Weihnachtssüßspeise aus Mehl, Olivenöl und Zucker, die nach Orangen und Zitronen duftet; der Glasbläser, der Böttcher und der Tamburinspieler.
   In der Genueser Krippe gibt es Gelindo und Gelinda, zwei kniende Hirten, die Jesus Geschenke darbringen. Die neapolitanische Krippe hat in ihrem Inventar neben anderen Figuren den Wirt, den Schäfer, den Bettler, den Bauern mit dem Weinfaß, den Fiedler, die Mutter mit dem Kind, die Tische mit allerlei Speisen und im Gefolge der Weisen den Georgier, die Odaliske, den Janitscharen, den Zirkassier und andere orientalische Gestalten.

La Befana, die Hexe

Diese italienische Figurenschöpfung stellt eine Personifikation des Festes dar. Die Befana zeigt gutmütige Züge, wenn sie Geschenke bringt wie der heilige Nikolaus und Angst einflößende wie ihr fürchterliches Aussehen als alte Hexe. Sie steht damit auch für die dunklen, unbewußten Aspekte der menschlichen Natur, und nicht zufällig wird sie auf römischen Drucken aus dem 18. Jahrhundert mit einer schwarzen Maske dargestellt. In der Befana, die mit ihrem Erscheinen auch den Karneval einleitet, trifft man auf eine Figur, die mit dem Tod, der Dunkelheit und dem Alter verbunden ist und als Verkörperung des dunklen und kalten Teils des Jahreszeitenzyklus eine wesentliche Rolle dabei spielt, das neue Leben hervorzulocken.
   „Befanate“ heißen die toskanischen Bettelgesänge mit sakralem oder profanem Inhalt. Sie werden von einer Gruppe von Männern vorgetragen, von denen einer als alter Mann verkleidet ist. Sie ziehen von Haus zu Haus,  überbringen gute Wünsche und bitten um Spenden – ganz offensichtlich eine Variante der Tradition der Sternsinger, die in ganz Europa die Reise der Heiligen Drei Könige nachahmen.

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Benziger Verlags. Eine weitere Textprobe aus diesem reich bebilderten Werk finden Sie auf der Internetpräsenz meiner Mitübersetzerin,
Dr. Ulrike Schimming.


Design + Text: Christiane Bergfeld, Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte Aktualisierung: 27. September 2009
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